Mit ihrer Ausstellung "Holiday Space" thematisiert Katja Flieger das Verhältnis unserer Wahrnehmung zu Größen und Maßstäben. Jeder kennt wahrscheinlich den spielerischen Umgang, den wir als Kinder mit Modellen der Wirklichkeit haben.

Gleich ob es Carrerastrecken, Puppen- oder Modelleisenbahnwelten gewesen sind: Das Maß der Dinge sind wir
- absolut und selbst und für uns allein – gewesen. Die untrennbare Einheit von Traum und Welt darf als möglich angenommen werden.

Zwischen Schöpfung und Freizeitvergnügen pendelt der Modellbau im Prozess des menschlichen Alterns.

Dabei entstanden ganze Miniatur Universen, bevölkert mit allerlei lieblichen, ländlichen oder kleinstädtischen Idyllen, Tunneln und Bergen.
Zwischen den von uns materialisierten Träumen und der realen Realität selbst, zwischen Modell und Wirklichkeit verlief nicht die Demarkationslinie des Bewusstseins, die uns als groß gewordene Erwachsene so schnöde auszeichnen kann.

Katja Flieger geht den Fährten des bastelnden Freizeitvergnügens nach, baut ein Modell der Räumlichkeiten des Berliner Kunstvereins nach, legt Parkett aus Streichhölzern und stapelt Hölzer zu Haufen.

Doch damit nicht genug, sie baut einen Hochsitz nach, auf den sie zufällig im Urlaub getroffen ist. Vorbild ist ein strandlagiger Wachturm, der in Fliegers Welten zu einem Hochsitz sich wandelt, der – einmal besetzt – nicht nur Rehen das Fürchten lehren sollte. Die schmerzliche Abwesenheit von Rehen und Badenden möge sich der Betrachter einbilden.

Doch statt in Liliput zu verweilen, kontrastiert sie diese Miniobjekte mit DIN A2 genormten Fotos, die ihre Miniatur-Objekte in der Technik des Blow Ups zu einer überwirklichen Größe anschwellen lassen und so eine intelligente Reflektion über unsere mediengeprägten Wahrnehmung darstellen. Doch auf diesen Blow Ups finden wir statt einer unangehmen Überraschung nur die scheinbar banalen Variationen von Holzstapeln. Wir werden auch in dieser Beziehung auf einen Holzweg geschickt.

Sie entführt uns auf Fährten des Schönen, Banalen und Fragilen und konfrontiert uns mit abgebildeten und nachgebildeten Fallen. Die Abbildung des Nachgebildeten erscheint künstlicher als eine Wirklichkeit, die aus durchweg brennbaren Materialien zusammengeleimt ist. Ihre vielschichtigen Reflexionen über die Grade von wirklicher Schönheit und schöner Wirklichkeit zerbröseln am Objekt neben der Fotografie und umgekehrt.

Adad Eklir

Der Text zur Arbeit von Katja Flieger besteht aus zusammengeleimten Zitaten aus dem Streit von Ruppe Koselleck und Oliver Breitenstein während ihres vergnüglichen Ausstellungsaufbaus zu "Holiday Space"

Website von Katja Flieger

 

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