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Carsten Klook – "Tattoovorschläge für Headbanger und Bedhanger "
Aufgewachsen unter, über und neben Rockern (Hochhaus), sah ich sie schon im zarten Kindesalter: die Anker, Meerjungfrauen, Spinnweben und Kreuze* auf dicken, behaarten Ober-, Unter- und Nebenarmen. Tätowierte Tentakel waren schon in den 60ern keine Seltenheit. Tintenfisch-Rules okay? Auch an Rücken schockte die mit Haaren zugewachsene, überwucherte Haut durch so manches Bild, das allerdings kaum erkennbar war … dazu hätte man sich ja mal die Haare schneiden müssen. Die Häute wirkten eher wie verstaubte Teppiche.
Man war aber ohnehin schnell gelangweilt, da die Motive sich sehr ähnelten. Eine Pfeife im Mundwinkel Popeyes, der auf einem nackten Oberfuß eingraviert war, war da sicherlich schon die Ausnahme … und entlockte mir so manchen, falsch verstandenen Pfiff.
Um dieser Engführung durch die Motivwelt entgegenzuwirken, zeichnete ich Gegenvorschläge, die man sich auch tätowieren lassen kann.
Nicht selten zieren kurze Sätze, Schlagworte oder umständliche, ganze Absätze die Zeichnungen, die sich – zumindest mir – unter die seelische Haut brannten. Lag das allein schon an der Umgebung, in der ich all das sah …?
Spätere Begegnungen, zum Beispiel unter Künstlern, in Krankenhäusern, Kliniken und Betrieben, in Freundeskreisen und -quadraten sowie unter See- und Überseeleuten erweiterten die Impressionen … und den prekären Ausdruck.
Durchwachte Nächte vor Punk- und Girlie-Bands, vor Tapeten und Fernsehern stärkten meine Fluchttendenzen aus der von allerlei Übeln gezeichneten Welt der Übrig-Ichs und Egos hinein ins Imaginäre.
Wenn Euch also etwas nicht gefällt, macht eine Zeichnung und graviert sie Eurem übelsten Feind tief unter die Haut. Er wird es Euch nicht danken! Auch nicht am Morgen danach.
Mit der beigelegten, fleischfarbenen Folie kann man sich mittels Draufhaltens schon mal ein ungefähres Bild machen, wie das Tattoo "in echt" aussehen wird.
Carsten Klook
* Okay, es gab und gibt auch noch Messer mit Haaren dran, von Pfeilen durchbohrte Herzen, Ranken, Stacheldrähte, Blumen und Engel, Teufel und Drachen, Totenköpfe und Särge, auf- und untergehende Sonnen, Ornamente und Schiffe, Eimer, Pistolen, Granaten, U-Boote, Raketen und explodierende Pocken, Schwerter, Personalausweise, Schriftzüge in allen Sprachen und … Krankenscheine? PS: "Mötley Crüe" ist kein Champagner. Und nicht nur der Name einer Soft-Hardrockband, sondern auch die alberne Bezeichnung für einen "zusammengewürfelten Haufen".
PPS: Diese Zeichnungen sind selbstironische Kritiken an der Kunstform "Zeichnung" überhaupt. Und künstlerisch weit wertvoller, als sie auf den ersten Blick wirken. Sie könnten auch im Museum für angewandte Philosophie hängen … (über dem WC?)
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