Wolf Schilly – "Eine Reise(Ralley Chinoise)"
Im Sommer 1988 starteten von Paris aus 30 Teams a 2 Personen zu einer außergewöhnlichen Fahrt. 53 Tage lang fuhren sie die 18.000 Kilometer nach Peking über Frankreich - Italien - Jugoslawien - Griechenland - Türkei - Syrien - Jordanien - Irak - Kuwait - Pakistan -- China.
Das erreichten sie über den Khunjerab Pass, 4.693 Meter, wo sie nach der Abwicklung der Formalitäten das Ereignis gebührend mit Champagner feierten und sich mit einem Schlag drei Stunden in der Zukunft
befanden und statt mit Cola ihren Durst von nun an mit Wassermelonen stillen mussten.
Mit Überquerung der chinesischen Grenze wurde die Staatspolizei zu ihrem ständigen Begleiter durch die Wüsten Gobi und Taklamakan - bishin zum Platz des himmlischen Friedens. Wolf Schily bezeichnet die Momente beim Erreichen des Tien-a-mens als die glücklichsten seines Lebens.
Von dieser Reise brachte er dokumentarische Aufnahmen mit, die
Begegnungen mit einfachen Leuten in alltäglichen Situationen zeigen.
Diese Aufnahmen werden dadurch interessant, sowohl für den Künstler,
wie den Betrachter, dass sie unsere durch die Massenmedien geprägten
Erwartungen an China und dessen Bevölkerung unterlaufen. Der Künstler
erwartete ein armes Land mit vom System gebeutelten, unglücklichen
Menschen vorzufinden, stattdessen traf er auf gelassene, offene
Menschen, die zufrieden waren mit dem was sie hatten.
Mit seinen Aufnahmen fängt der Künstler genau diesen Moment des Menschseins ein. Und rückt somit den Menschen in den Fokus der Fotografien. Fotografien, die den Menschen in banalen, alltäglichen Lebenszusammenhängen und Situation zeigen und so stark mit den vorgefertigten Bildern in unseren Köpfen kollidieren. Mit einem scharfen Blick, der auch im Gewöhnlichen das Wesen der enschlichkeit aufspürt, rückt der Künstler ein anderes
Chinabild in das Zentrum unserer Betrachtung. In dem die gängigen
Klischees unterlaufen werden, beginnen wir uns zu fragen, ob wir uns
auf unsere massenmedial geprägte Wahrnehmung noch verlassen können.
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