Archive for the ‘Schrift’ Category

Textschnitt 3: Notizen nach 2 ImproSets mit Werner Cee und Martin Speicher.

Dienstag, März 6th, 2007

chin in reception

Textschnitt 3: Notizen nach 2 ImproSets mit Werner Cee und Martin Speicher.

// Andreas Clausing (März 2007)

… reduzieren sich die sogenannten Improvisationen auf mehr oder minder schwächliche Umschreibungen der Grundformeln, unter deren Hülle das Schema in jedem Augenblick hervorlugt.
(Theodor W. Adorno)

What king of fuckery is this?
(Amy Winehouse)

Es ist immer wieder erstaunlich, inwieweit die längst schal gewordene Differenzierung kultureller Güter – und hier im Besonderen im Spektrum der Musik – zwischen e und u in der konkreten Praxis sich noch in der Haltung eines Publikums* widerspiegelt, nicht aber in der Musik selber. E und u realisieren sich zuvorderst als Selbstcharakterisierung eines sich wichtig nehmenden Publikums (im Unterschied zu einem wichtig seienden Publikum): Das Ernst-Nehmen der Schnulze Tannhäuser, die Stirnfaltenlegung bei einer georgelten Brucknersinfonie, die Klassifizierung postmoderner Kopiaturen als hochkulturelle Nische der Neuen Musik. Hier finden sich elitäre Plattformen einer elitären Sozialität. Im Grunde aber ist diese Eingrenzung nur ein Relikt einer Bürgerlichen Emanzipation gegenüber der Höfischen Kultur. Tendenziell existierte lediglich eine fließende Unterscheidung zwischen erhabener (religiöser, göttlicher) und irdischer Verschwendungsmusik. (more…)

Über das allgemeine Bücherplaudern

Sonntag, März 4th, 2007

Harald Suerland wendet sich heute in den Westfälische Nachrichten gegen das allgemeine Bücherplaudern. Damals gab es noch für den geneigten Literaturfreund einen Marcel Reich-Raniki und sein lustiges Quartett, es folgten Elke Heidenreich und Jürgen von der Lippe und jetzt glaubt jeder Dahergelaufene seine Meinung über das gerade gelesene in Blogs und Foren kundtun zu müssen.

Der berufliche Rezensent muss schon seine Meinung mit guten Argumenten untermauern, sonst gräbt ihm die allgemeine Bücherplauderei das Wasser ab.
Recht hat er, der verehrte Redakteur, gute Argumente sollte man erwarten. Doch sollte er nicht zu sehr um die Literaturkritik und seine Päpste bangen, eine schmeichelhafte Besprechung in der FAZ oder ZEIT wird dem Autor immer ein größeres Ansehen und damit eine größere Käuferschicht bringen als der leidenschaftliche Kommentar bei Amazon.

Textschnitt 2: Text Textil

Samstag, März 3rd, 2007

der trägödie erster teil -  das russisch brot der kunst

(c) büro

Textschnitt 2: Text Textil

// Andreas Clausing

Produktives Gestalten mit textilem Material bildet Persönlichkeit. Die Textilie kennt jeder, sie ist reichlich vorhanden. Die Textilie als Bauelement einer Gestaltung ist selbst schon gestaltet. Die uns nächste Textilie ist unsere Haut. Die eigene, aber besonders auch die berührbare Haut des anderen. Sie ist komplex und von einer individuellen Gestalt. Diese Gestalt realisiert sich zum Beispiel als ein Muster. Die Gestalt ist einzigartig. Und doch besteht diese Einzigartigkeit darin, dass sie deutbar wie unbedeutend erscheint, dass sie den Menschen unterscheidbar wie unterschiedslos macht. Haut ist Haut. Sie ist Abschottung wie Verbindung, sie ist zusammenziehbar wie zu öffnen. Unsere Haut ist Gestalt und gestaltbar. Wir ritzen etwas in ihr ein, bemalen sie, verdunkeln, erhellen sie. Schön ist es, eine Haut zu schminken. Dann wird sie zu einer gewählten Offenbarung. Doch kann eine Haut auch ungeschminkt etwas ausdrücken. Wir öffnen die Hände und lassen uns etwas aus ihnen vorlesen. (plag. 2.1)

(a)

wörter die in meinen texten
vergeblich gesucht werden (more…)

Textschnitt 1: Schreibende Sprache verführt zum Plagiat!

Mittwoch, Februar 28th, 2007

gustav2.jpg

28.02.2007 // Andreas Clausing

Gestern erhielt ich einen Brief.
Eine Kritik zu einem einzelnen Kapitel eines längeren Textes in Mache. Mache heißt hier: Mangel*. Ich lese im Brief: Es lassen sich zwei Arten von Sprache unterscheiden. Gesprochene und geschriebene Sprache. Mein Text sei gesprochene Sprache. Er sei hektisch. Und er könne ihn nicht leiden. Vielleicht, denke ich, hat der Kritiker mir sagen wollen, er könne mich nicht leiden. Ich sei ihm zu hektisch, rede zu viel dummes Zeug, das ich auch noch pausenlos wiederhole, jeden frühen Morgen auf die Leine in den Wind hänge. Jeden Morgen komme ich und hänge mein immer gleiches Zeugs öffentlich in den Wind. Die Strumpfwörter und Satzhosen und Zeichentücher. (more…)

tagebuch eines kunstjunkies

Dienstag, Februar 27th, 2007

duchamp

1982, tübingen

// oliver breitenstein

heute morgen sind wir(hajrudin und ich)gegen 5.30 uhr in richtung tübingen losgefahren um uns die ausstellung von cezanne`s aquarellen anzuschauen. nach einer langen fahrt voller vorfreude erreichen wir gegen mittag tübingen und springen direkt aus dem wagen hinein in die kunsthalle. bei einem schnellen ersten rundgang durch die ausstellung zeigen sich bei hajrudin, der in seiner krankheit schon weiter fortgeschritten zu sein scheint, schon die ersten symptone. er wirkt wie betäubt vor den aquarellen und schildert auf nachfrage hin, einsetztende kopfschmerzen. hinzu kommen die typischen, nicht zu übersehenden merkmale wie leichtes zittern, nervöses vor- und zurücktreten vor den bildern(bewegungsunruhe), starrer blick und schweißausbrüche. ich bin mir nicht sicher, ob es der lange entzug war, der zu solchen effekten geführt hat oder eine zu hohe dosierung im moment schuld an der sympotmatik ist. ich selber bin noch , gott sei dank, relativ beschwerdefrei. ich schlage deshalb vor, kurz zu unterbrechen und erstmal was im benachbarten restaurant zu essen und einen kaffee zu trinken. ich hoffe, dass die wirkung der cezannedosis ein wenig abflaut und sich die lage etwas entspannen wird, so dass er sich wieder fängt und noch in der lage sein wird uns heil nach hause zu kutschieren. ich bete , dass ich nie so ein kunstjunkie werde.

 

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