
wie schön wäre es doch, zu fest geregelten arbeitszeiten ins büro zu gehen und ein wenig struktur im leben zu haben. ein fest umrissendes jobprofil zu besitzen und sich einfach danach richten zu können. nach der arbeit dann zufrieden nach hause zu fahren und die freizeit mit der familie zu geniessen. herrlich. also begann ich mir eine entsprechende stelle zu suchen. leider wurde ich aufgrund der momentanen krise nicht fündig und beschloss so, mir selber eine entsprechende stelle mit klaren arbeitzeiten und aufgabenfeldern einzurichten:
wer kennt nicht das schlechte gewissen, dass einen befällt, wenn man die süddeutsche oder faz von vortag noch ungelesen auf dem küchentisch herum liegen sieht oder gar die “zeit” von letzter woche noch nicht einmal angefangen hat? deshalb beschloss ich, meinen gestressten mitmenschen das schlechte gewissen abzunehmen und stellvertretend für sie die zeitung zu lesen. ich würde ihnen die bürde nehmen, indem ich mich während der arbeit ganz der zeitungslektüre hingab. damit würde ich ihnen ermöglichen, sich besser zu fühlen, da ja nun das schlechte gewissen angesichts der ungelesenen informationsberge entfiele. nun wäre ja jemand da, der sich für sie opferte und diese zeitfressende aufgabe für sie übernähme. ein sinnvoller job, ein ethischer job, in der tat.

wie sieht nun das daraus resultierende jobprofil genau aus?
der leser packt jeden morgen kurz vor elf seinen koffer mit thermoskanne und butterbrotskiste, dann geht er ab zur maloche, diese besteht darin von 11 - 14 uhr diverse zeitungen zu lesen und diese nach getaner arbeit abzustempeln und die titelseite des entsprechenden blattes an die wand der ausstellungsraumes zu kleben. so ensteht ein fortlaufende erfassung des arbeitsprozesses. leider ist diese stelle auf fünf tage befristet. danach muss der leser sich wohl nach was neuem umsehen? und ev. aushilfen anstellen, da der informationsflut alleine nicht mehr beizukommen ist?
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