
wie richard rorty sähen wir in der ständigen selbsterfindung, dem sich selber formen, eine bildene, schöpferische tätigkeit im sinne der guten alten bildung *gruss an alle cellospieler und weissweintrinker an dieser stelle*, hören wir IHN sagen. in dem wir von neugier angetrieben uns immer neue identitäten aneigneten, die uns umgebende welt ständig neu interpretierten und so unseren geist in bewegung hielten und ein einsehen in die zufälligkeit der biographischen lotterie hätten, schüfen wir ein plastisches werk, so ER. so werde uns klar, dass eine abschließende wahrheit immer die gefahr des totalitären enthalte und wahrheit nichts statisches sei, sondern etwas, dass wir mit zweifel beäugen müssten und von uns in einem art vertrag vereinbart werde, meint der künstler. somit sei die wahrheit veränderbar. da uns nun ständig zweifel an unseren eigenen endgültigen wahrheiten plagten, betrachteten wir uns distanziert, ironisch und seien bestrebt möglichst viele andere überzeugungen und weltsichten kennen zu lernen, uns zu bilden, so ER. indem wir uns in einem netz gegenseitiger bildung*1 bewegten, lernten wir ständig dazu und interpretierten die welt ständig neu. bestenfalls würde uns dies zu einer liberalen und toleranten gesellschaft führen, teilt ER uns mit. man ist fast versucht auszurufen: anarchie ist machbar. doch im moment scheinen die paranoiden auf allen seiten genau dies zu verhindern und wieder zu versuchen eine eindimensionale, totale weltsicht (”große erzählung“) durchzusetzen. die documenta 12 scheint mit ihrem vermittlungs- und bildungsbegriff in eine ähnliche richtung wie rorty zu zielen.
*1 und frei nach dem alten motto: “each one teach one” bemüht seien, die eine möglichst hirachiefreie form der bildung zu etablieren, in der keiner einen bevorzugten zugang zu wahrheit, der kunst oder der literatur habe.