Archive for September, 2009

Open Call - BürokARTie - bürokratische Strategien und subversive Dienstleistungen

Montag, September 28th, 2009

BürokARTie - bürokratische Strategien und subversive Dienstleistungen

BürokARTie - bürokratische Strategien und subversive Dienstleistungen

30.10. - 8.11.2009
Ort: Münsterland und Büroetage in Münster
Infos unter: www.buerokartie.de

Hatten Sie einmal eine Woche ohne Bürokratiekontakt? Oder besser: wie viel Stunden im Leben eines modernen Menschen unterliegen nicht den Gesetzen der Verwaltung? Was geschieht, wenn die Kunst in die Hände von Bürokraten gerät? Oder wenn Künstler sich in Bürokraten verwandeln und verwalten? Das Überleben eines Menschen ist ohne Verwaltungskontakt nicht möglich. So wie die Luft zum Atmen, brauchen wir Formulare zum modernen Savoir Vivre - es ist der bürokratische Instinkt, das akribische, absurde und anarchische Element, was uns die Steuererklärung, den Hartz 4 Antrag überleben oder einfach den Strom aus der Dose beantragen lässt. Im Herbst 2009 werden 10 Bildende Künstler /Künstlergruppen aus dem gesamten Bundesgebiet und der Schweiz, die sich mit „Bürokratie und Dienstleistung“ beschäftigen, in Münster und dem Münsterland Antworten auf diese Fragen, Fragen zu diesen Antworten liefern und ihnen mit Hilfe bürokratisch-künstlerischer Strategien auf den Grund gehen.
Ziel ist es den Blick auf den bürokratischen Apparat, der uns alltäglich in vielen Formen und Formularen begegnet, anhand verschiedener künstlerischer Positionen zu schärfen. BürokARTie reduziert dabei nicht den bürokratischen Aufwand, sondern spielt, untersucht mit Freude an der Bürokratie am Orte der Verwaltung, also dort wo Staat und Mensch sich treffen.
Auch Ihre Kunst kann ein Antrag werden.
Neben den 10 künstlerischen Positionen werden in einem Rahmenprogramm “echte Bürokraten, Archivare, Messies und Verwaltungsmenschen” zu Vorträgen und Aktionen eingeladen. Gesucht werden noch Künstlerinnen und Künstler, die kleinere bürokratische Aktionen, Interventionen und Serviceleistungen in dem Gesamtprojekt präsentieren wollen, wie zum Beispiel über Plakate, Flyer, Formulare oder Anträge.
Im Empfangsbereich der Ausstellung BürokARTie lägen dann auch Ihre künstlerischen Formulare und Papiere in dafür geeichten und normierten Halterungen aus.
Jetzt bewerben – antragsfrei und direkt:

Oliver Breitenstein: breitol(ät)muenster.de
Ruppe Koselleck: ruppe(ät)koselleck.de
Stephan US: stephan.us(ät)archiv-des-nichts.de

Deadline: 29.10.2009

Der Autor ist gestorben und der DJ rockt die Party

Freitag, September 25th, 2009

Oder Straßenschilder mal anders.
//ob

Roland Barthes mal ganz locker oder Schildermeisterei von der xxcrew
//bilder: xxcrew

Mit großen Entzücken schaue ich mir immer wieder die ästhetisch ansprechenden Schilder der xxcrew an. Über den reinen sinnlichen Genuss hinaus, haben sie quasi Ü-Eierqualtität. Denn sie bieten auch genug Anlaß zur intellektuellen Reflexion und Erkenntnisgewinn. Um jetzt mal die ganz große, aber die gaaanz große, poststrukturalistische Keule zu schwingen, lasse ich mal komplett unauffällig das Stichwort vom Tod des Autors fallen und daraus resultierend das von der Geburt des Herausgebers, der sich wie ein DJ Samples aneignet und mit denen ein neues Textgewebe spinnt. Hier ist der Text allerdings mal wieder Bild, was ja nicht weiter stört, da ja jeder Grundschüler mittlerweile weiß: (more…)

Flüchtige Kultur: Gespräch mit Susanne Gaensheimer und Nicolaus Schafhausen

Dienstag, September 22nd, 2009

art.gif

Nachdem das erste Gespräch (welches wir besuchten) in der Reihe “Flüchtige Kultur” mit Kasper König nichts einlösen konnte, was so vollmundig angekündigt war(nämlich zu befragen, wer die Deutungs- oder in altneusprech “Diskurshoheit” über die Kunst hat, und bestimmt was als solche gilt) und stattdessen zu einer wohltemperierten Anekdotenshow vom Kasperle für kulturelle Wiedergänger wurde, hat diese dann doch mal ne Schippe zu gelegt. Und zwar wegen dem rhetorisch nicht immer perfekten, dafür aber im Gegensatz zu Susanne Gaensheimer längst nicht so blasiert daher schwallernen Nicolaus Schafhausen.

Er hat, wenn auch einige der Kunst- oder Nurzombies es nicht wahr haben wollten und achso lustige Witzchen über ihn und seine Aussagen rissen, einige interessante Fragen angesprochen und Denkanstösse gegeben. Als Beispiel seien hier nur zwei Themen kurz aufgeführt: Die Vormachtstellung der Medien in der Wahrnehmung von Kunst, namentlich die der Tagespresse. Daran anknüpfend könnte man fragen, ob Kunst heute nicht eh zu 95 % in den Medien statfindet?(Hier auch noch der kurze Hinweis auf das neue Buch von Wolfgang Ullrich(Natürlich ein Link in die Tagespresse)

Und das zweite, uns natürlich besonders interessierende, Thema: Interessiert Kunst überhaupt noch wen? Kriegt man Leute noch ins Museum? Denn diese berühmte Statistik, dass mehr Leute ins Museum als ins Fußballstadium gehen, ist ein wenig geschönt, denn 1. sind da nicht nur Kunstmuseen erfasst und 2. auch ähnliche Blockbuster wie MoMA in Berlin zb. Da hat man noch niemand für zeitgenösische Kunst, geschweige denn Diskurse gewonnen. Und laut Schaffhausen soll Kunst vor allem das: Diskurse auslösen. Folgerichtig macht er sich über Kunstvermittlung Gedanken und zwar Kunstvermittlung nicht für pensionierte weisse Bildungsbürger, sondern für Leute, die sich lieber Lady Gaga auffem Ipod anhören als Martin walser zu lesen. Wir begrüßen das ungemein.

Natürlich hat es auch die enagagierte Katja Schröder, die ja schon in Köln bemerkenswerte Projekte(KaSRaum) realisiert hat, schwer in der Stadt und Szene der lebenden Toten ein wenig Schwung in Bude zu bringen, aber sonn bißchen mehr Punkattitüde oder wie man heute wahrscheinlich sagen muss: Antifolk, wäre dann für die noch nicht ganz mumifizierten unter den viel beschworenen Rezipienten sehr belebend. Um es mit der abschließenden Worthülse von Frau Gaensheimer zu sagen: “Kunst lebt nur durch den Betrachter.” Was man uns ja einerseites nicht zu sagen braucht, wir sind gerne der vielbeschworene Betrachter der Kunst ernst nimmt und seine Rechte zur vielbeschworenen Partizipation einfordert, indem wir Kunst auch für Sie schauen. Und andererseits lebt sie, die Kunst, dann in Münster wahrscheinlich nicht mehr so lange.

Die Gesellschaft des Spektakels

Sonntag, September 20th, 2009

kann man sich online als Film anschauen. Teil 1:

und Teil 2:

Da sollen doch die ganzen Kulturpessimisten weil weiter unken, dass das Web der Untergang des Abendlandes und der Kultur sei. Ich glotz statt dessen lieber nen bißchen.

Am besten schaut es sich übrigens bei Ubu direkt.