Spacenight im Westfälischen Kunstverein oder Meilensteine des Actionfilms

Mein Telefon hatte geklingelt und er hatte mich zu sich bestellt. Jetzt
saß ich also hier am Küchentisch und trank Meskal, während er seine
Taschen auf Links stülpte und sagte: “2,17. das ist alles was ich habe
und Ihnen zahlen kann. Ich bitte Sie, schauen Sie doch die Eröffnung
“Probleme massereicher Körper” von Alicja Kwade im Westfälischen Kunstverein für mich an.” Er klang verzweifelt und schien genauso pleite wie ich zu sein. Überhaupt, wie sollte ich einem
solchen Kerl etwas abschlagen und 2 Euro waren besser als nichts. Für den Kurs gab es bei meiner süßen kleinen Lieblingskellnerin etwas, das schmeckte wie Whiskey. Also willigte ich ein.

Nachdem ich die Nacht drüber geschlafen hatte, kam mir der Idee etwas
schwachsinnig vor, aber die Aufträge in meinem Büro für private
Kunstvermittlung liefen nicht so gut und die Klienten gaben sich nicht
gerade die Klinke in die Hand. Also bereitete ich mich auf den Abend
vor, indem ich es mir mal wieder von Premingers “Laura” besorgen ließ.

Als der Abend nach dem zähen, sonnigen Tag endlich anbrach, zog ich
mein Shirt über, legte etwas Deo auf und machte mich auf den Weg.

Da stehe ich jetzt also in diesem abgedunkelten Raum, dieser
sinnlichen und intellektuellen Black Box, und starre auf sich drehende
Meteoriten, die sehr ästhetisch und Schwarzweiß in einem weltraumähnlichen
Imagitnationsraum vor sich hindrehen und frage mich, ob diese
rotierenden Kieselsteine mir außer konstruktivistischen Ästhetizismus
noch etwas über den Zustand der Welt mitteilen. Nun gut, reiß Dich
zusammen, das ist bestimmt eine Art Therapieangebot für Leute, denen“Lautlos im Weltall”
und “2001″ zu Actionlastig waren und es geht
bestimmt um Entschleunigung in unserer durch Signifikantenoverload
explodierenden Welt. Ein Rettungsanker für alte Leute (Kunst - ein Land
für alte Leute?) im tosenden Ozean der Wirklichkeit. Ev. haben die
anderen Anwesenden die Ätherflasche geleert, umdem Pendel der
tödlichen Langeweile zu entgehen, das um diese zu kreisen scheint. Nun
sind sie hinüber, weggebeamt wie alte LSDnauten, durch einen
Kaninchenbau in ein Paralleluniversum stürzend, in dem alles aus lauter
schönen aber nichtsagenden Dingen besteht? Garantiert schmerzfrei,
ähnlich wie diese Ausstellung.Heile, Heile Gänschen…” “Willste nen
Bier?” ich schrecke aus meinen Gedanken auf und neben mir steht Peter,
jemand den ich entfernt kenne und grinst mich aus dem Dunkel an. “Na
klar” antworte ich. “Für irgendwas muss die Kunst ja gut sein.” Im Kopf
beginne ich bereits mit meinem Bericht für einen Akademiker.

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