Translokative Aurachirugie
NICHTS HILFT MEHR ALS WENIGER ALS WAS
erste thesen zur translokativen auraoperation zu gelsenkirchen und kiel am 17. und 18. april 2009
die aurachirugie geht von der annahme aus, dass das „kunstsein“ eines werkes in der ihm innewohnenden aura1
gespeichert ist und möchte nun mit hilfe von translokativen praktiken teile der aura aus diesem speicher
entnehmen, um sie für kunstwerke zugänglich zu machen, die bisher an einem traumatischen auramangel
erkrankt sind.
zu diesem zweck werden mit hilfe telekinetischer rituale auratische energiespeicher aufgespürt und dann auf
einen neues speichermedium, wie zum beispiel einen zeichenblock oder auch usb stick überführt.
die so gewonnene aura wird durch einen raffinierungsprozess aus diesem speichermedium in einen anderen
daseinszustand überführt und mit mitteln, die denen der homöopathie verwandt sind (potenzen) auf andere
kunstwerke appliziert. durch die so einsetzenden umverteilung- und demokratisierungsprozesse der
auratischen energie von kunst, werden unbehandelte alte traumatische erfahrungen, die das dasein von kunst
zutiefst beeinflussen, kuriert.
durch diese heilung der gezeigten und behandelten wunden erfährt die kunst einen scheinbar unsichtbaren und
diffus unheimlichen qualitätssteigerungsprozess. eine osmotische grenze von qualität, genese und genesung –
auratischer schönheit sowie ästhetischer gesundheit darf vorausgesetzt werden und wird im laufe der
untersuchung zu beweisen sein. ein auftrag, dem sich die auraforschung nicht entziehen wird.
auraforschung untersucht und bekämpft mittels der oben beschriebenen methode der aurachirugie
auroptopathogene wirkungsstrukturen2 von schlechter kunst und verweist auf die gefahren, die von bildern
(resp. k.werken) ausgehen, die in einer nach unten offenen qualitätsskala nicht nur die netzhaut des rezipienten
beschädigen können. .
dem in seinen artophilen sozialgrenzen gestreng erweiterten kunstbegriff muss – und das ist seit langen
überfällig – der transterritoriale aurabegriff zur seite gestellt werden. auraforschung kann daher nicht anders
als terristirisch und sozial agieren, um den engen grenzen und fallstricken bordieuscher kunstklassenstrukturen
zu entgehen.
neben der posthomöopathischen dosisforschung (weniger ist mehr) finden neuste ergebnisse der nosis annahme3
eingang in die überlegungen unserer auraforschungen.
bei der auraentnahme entsteht dem spenderwerk keinerlei materieller schaden, denn es wird von den chirugen zu
keiner zeit berührt oder sonst wie materiell beeinträchtigt. die techniken der aurachirugie sind, wie die aura
selbst, rein mentaler natur.
oliver breitenstein und ruppe koselleck
p.s.: bekennerbrief
mit diesen zeilen bestätigen, oliver breitenstein und ruppe koselleck,
dass sie am 17. april 2009 mittels telekinetischer rituale anteile der aura des yves klein aus dem gelsenkirchener
musiktheater ruhr geklaut haben. dem werk entstand dabei ein rein immaterieller schaden.
ferner bekennen wir, dass wir am 18. april 2009 anteile der wirksamen aura des alten meisters der moderne nach
kiel überführten und in der umtrieb galerie damit translokative auraoperationen praktizierten.
1 vgl. w. benjamin –das kunstwerk im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit
2 studien zur auroptopathogenen wirkung von bildern. breitenstein, koselleck et. al., münster 2010, auriv verlag,
3 die nosis annahme geht davon aus, dass mit stetiger steigerung der (minus)potenz im sinne der hahnemanschen
gesetze (noch weniger ist mehr als weniger ist mehr als etwas) der satz gilt: NICHTS HILFT MEHR ALS
WENIGER ALS WAS.
Presse: Galerie Umtrieb: Holzgürkchen auf Sockel in den Kieler Nachrichten.
